Presseauszüge

Georg Ruby Piano Solo

GALERIEKONZERT
"Töne, so zart wie fallendes Laub"
Jeder hat sie wohl: die ganz persönlichen Lieblingssongs, die das Leben wie einen Soundtrack begleiten. Jazzpianist Georg Ruby hat einen Teil seiner Favoriten auf seinem Album "Personal Songbook" zusammengefasst. Das Besondere daran: "Die habe ich selber für mich geschrieben", so Ruby. Wie sie klingen, diese selbstkomponierten Lieblingsstücke, erfuhren die zahlreichen Besucher bei einem Abend in der Villa Zanders - in der Reihe "Galeriekonzerte", veranstaltet vom Haus der Musik.
Ein Klavier, mehr braucht Ruby nicht, um seinen Klangvisionen Form zu geben. Töne, so zart wie fallendes Laub, leiteten den "Prison Song" ein. Immer wieder hielt ein mächtiger Groove Einzug ins Klangbild, wechselte sich ab mit einer verspielten Melodie. Und man merkte schon zu Beginn: Ruby bricht Strukturen auf und experimentiert mit ungewöhnlichen Klangfolgen, ohne dabei gewollt gewitzt oder gar analytisch zu klingen - seine Stücke transportieren vor allem Emotionen.
"Ich stehe auf Klang", sagte der musikalisch umtriebige Ruby, der unter anderem Kopf der Formation Georg Ruby Village Zone und Leiter des Blue Art Orchestra der Bergisch Gladbacher Max-Bruch-Musikschule ist. Wie er aus dem Standard "Autumn Leaves" seine ganz eigene Interpretation mit dem Titel "Lena, Lena" zauberte, war beeindruckend: ein dunkler, sich stetig wiederholender Grundton, über den die Melodie wie eine sanfte Brise hinwegweht, ein an Kraft zunehmende Schauer aus Pianoklängen, die auf den Zuhörer hinunterzufallen schienen, ihn schließlich ganz umhüllten. Ruby umspielte die Versatzstücke von "Autumn Leaves", variierte Tempo und Dynamik und ließ das Werk einem flackernden Licht gleich unruhig aufleuchten.
Faszinierend setzte der Pianist auch den zügellosen Charakter von "Strange Loops" um, seine vielsilbigen Melodiefragmente, die unablässig fordernd an der Seele zu kratzen schienen, in der Hoffnung, sie werde ihre Geheimnisse preisgeben. Einen Finger legte er beim Spiel auf eine Saite des Pianos, verfremdete den Ton derart, dass hörbar wurde, was zwischen den Saiten liegt - das Hineinhorchen in eine fremde und unwirkliche Dimension.
Was Ruby zu seinen Stücken inspiriert, variiert: Mal seien es die Werke anderer Komponisten, aber auch Filme. Eine Dokumentation über Menschen, die noch heute in einer alten Silbermine nach dem wertvollen Edelmetall graben, war die Inspiration für "Potosi".
Fasziniert habe ihn hier die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart, erklärte Ruby. Dieser Faszination verlieh er mit beinah melodramatischen Klängen Ausdruck, ließ weite Landschaften und die Leichtigkeit des Seins in einer traumgleichen Melodie aufleben - filigran und von atemberaubender Dichte.
Georg Rubys Stücke besitzen durchweg Tragweite, sind beseelt von spannungsvoller Schönheit. "The Stalker" etwa wäre wohl der perfekte Soundtrack für einen nervenaufreibenden Thriller: Die Klänge schienen zu taumeln, zu fallen, zu rennen, atemlos verfolgt von einer dunklen Macht.
Zum Abschluss gab Ruby eines seiner Lieblingsstücke, Theo Mackebens "Und über uns der Himmel". Ein Stück, so wehmütig und warm wie ein Sommerwind, der aus längst vergessenen Tagen herweht und das sehnsüchtige Herz noch ein bisschen schwerer macht.
"Danke für Ihre Inspiration und Ihre Wärme", sagte Georg Ruby darauf zum Publikum. Diesen Dank kann man nur zurückgeben.
Christian Leinweber, Kölner Stadtanzeiger, 23.11.2010


Georg Ruby’s music inhabits a place different from the other musicians under discussion. He always has one foot in the Jazz tradition while the other is way outside. He often prepares the piano, as on the two iterations of “Prison Song,” but he does so subtly, his rhetoric deep in the Blues while transforming it, often out of recognition. Along similar lines, there is his take on “Bye Bye Blackbird,” where fragments of the melody and its attendant rhythms gradually bloom to become sonorities related to but far removed from the standard, only later morphing into the tune as we recognize it. His group recording is similarly engaging, the compositions paying periodic homages to Monk’s unexpected twists and turns of phrase while always hanging just on the edges of accessibility; the playing of all involved follows suit. Ruby’s work encapsulates the Jazzhaus aesthetic, if one exists.
Larry Hollis – Cadence Magazin, New York – 1/2/3/2010

Georg Ruby ist einer der Motoren der deutschen Jazzszene, und das nicht nur als Initiator des JazzHaus-Labels und Mitbegründer des Kölner Stadtgarten. Sein Solo-Piano-Album „Personal Songbook“ ist das Selbstportrait eines Musikers, der sich von den Zwängen des Geschäfts nicht hat vereinnahmen lassen und der sich selbst immer wieder neu findet und erfindet.
So zitiert Ruby aus früheren Alben mit der neugierigen und selbstbewussten Distanz, mit der man ein Werk aus einer lang zurückliegenden Epoche zitiert. Auf diese Weise wird etwa „Und über uns der Himmel“ aus einer völlig anderen, aber nicht minder bewegenden Perspektive interpretiert, als auf dem acht Jahre alten Mackeben-Album. Standards wie Ornette Colemans „R.P.D.D.“ und „Bye Bye Blackbird“ werden dekonstruiert und um stehende Orgelpunkte herum in Rubys musikalisches Universum neu gruppiert. Seine Komposition „Aila“ verschmilzt mit Victor Youngs Klassiker zum kippbildartigen „Aila by Starlight“.
Das alles geschieht mit einer solchen Intensität und Bewusstheit, dass es nach dem letzten Ton des Albums einige Zeit dauert, bis einen Rubys persönliches Songbook wieder freilässt. Ein ungeheuer dichtes und brillantes Album voll von Persönlichkeit, fernab des oft oberflächlichen Musikbetriebs.
Falko von Ameln / Jazzthing / November 2008

…dagegen der eröffnende Soloauftritt des Kölner Pianisten Georg Ruby: er lässt sich auf das Thema „Jazz Classics By Today’s Improvisers“ ein, greift in seinem Programm „From Ellington to Coleman“ Standards auf (oft schon verfremdet), zerlegt und variiert sie und improvisiert auf eine so subtile, so phantasievolle Art, dass der Geist der jeweiligen Stücke erhalten bleibt und doch ganz unerhörte Perspektiven und Blickwinkel eröffnet werden. Der intelligente und sinnliche Auftritt Rubys mit einer sonoren, swingenden, treibenden linken und einer glasklar perlenden dynamischen rechten Hand (deren synkopes Hämmern oft an der Klavierpart von Wolfgang Riehms Chiffre-Zyklus erinnert) geriet zum ersten Höhepunkt des Jazzjahres.
Michel Rieth/Frankfurter Rundschau

Georg Ruby hat sich in vielfältiger Weise um die deutsche Jazzszene verdient gemacht – so beispielsweise als Mitgründer des Kölner Stadtgarten, als Geschäftsführer des „JazzHausMusik“-Labels und als Leiter diverser Nachwuchs-Big-Bands. Dass er außerdem zu den herausragenden Jazzpianisten hierzulande gehört, wird da manchmal zu Unrecht übersehen. So weiß Ruby gerade in jenem kreativen Kontext zu überzeugen, in dem die Qualitäten eines Improvisationsmusikers besonders hart auf den Prüfstand gestellt werden: im unbegleiteten Solo.
Bei seinem DLF-Konzert am 12.12.2005 im Düsseldorfer Steinway Haus verblüffte der Pianist mit kraftvoller Spieltechnik und großer Improvisationsfantasie. Eigene Kompositionen, aber auch Standards wie „Bye, bye Blackbird“ oder gar Theo Mackebens Filmschlager „Bei Dir war es immer so schön“ gerieten unter Georg Rubys Händen zu feinsinnigen Meisterstücken.
Harald Rehmann/DLF


Blue Art Orchestra


...Ein seltenes Erlebnis an Spannung wurde dem Publikum hier beschert, schon durch die äußerst abwechslungsreichen Improvisationen der einzelnen Solisten im Blue Art Orchestra, allen voran die Sopransaxophonistin Christina Fuchs. Die Zuhörer kamen, vornehmlich durch die vorbildliche Gelöstheit der Arrangements, in den Genuss eines Paradebeispiels moderner Big-Band-Arbeit. Der Versuch, Jazz und moderne Konzertmusik zusammenzuführen, gelang dem Arrangeur Georg Ruby vorbildlich.
Claude Müller; Luxemburger Wort


Wollie Kaiser - Georg Ruby

Was veranlasst Jazzmusiker eigentlich dazu, im Duo zu spielen oder präziser gefragt: worin eigentlich liegen die Vorteile einer solchen Formation im Gegensatz etwa zum „normalen“ Jazzquartett?
Solche Fragen drängen sich gerade angesichts der in den letzten Jahren in immer größerer Zahl veröffentlichten Tonträger mit kammermusikalischer Besetzung auf.
Hört man Wollie Kaiser und Georg Ruby zu, dann ist nicht nur die Frage augenblicklich beantwortet, sie wird hinfällig, ihr skeptischer Unterton kann nicht vor der musikalischen Antwort bestehen.
Das Auffallendste ist sicher, dass eine Intimität im Zusammenspiel erreicht wird, die in größeren Fomationen kaum möglich ist. Das Gefühl für Zeit, Bögen, für Pausen lässt sich kaum so ausgestaltet entwickeln, wie hier im Duo-Spiel vorgeführt. Dieses Maß an Sensibilität würde eine Standard-Jazz-Besetzung sicher überfordern.
Die Gefahr eines solchen kammermusikalischen Ansatzes ist, dass oft auf das „time-spielen“ verzichtet wird, dass diese Musik schöngeistig-unverbindlich dahinplätschert wie eine ewiglange Kadenz. Oft fehlen dann Aggressivität und Biss.
Diese Gefahren werden hier geschickt umschifft oder besser: die Musiker arbeiten ihnen offensiv entgegen. Diese Musik hat die Elemente Groove, Swing, Time genauso wie kammermusikalisch-verhaltene, freitonal-abstrakte oder freejazzig-aggressive Passagen verarbeitet sind. Beide Musiker ersetzen oft bewusst Bass und Schlagzeug, sie übernehmen deren Funktion und lassen Sehnsüchte nach einem Quartett gar nicht erst aufkommen.
Hinzu kommt eine ausgesprochen abwechslungsreiche, ja fast getüftelte Instrumentierung. So hört man außer der gängigen Saxophon-, auch die Klarinettenfamilie inklusive Bassklarinette und Kontrabassklarinette.
Nach Anhören dieser Musik stellt sich mir die Eingangsfrage anders: warum spielen Musiker eigentlich im Trio oder Quartett!?
Joachim Ullrich

...but even when they are most impassioned (Ruby slashing away at the 88’s and/or Kaiser pushin the sonic extremes of his horn), an icy cerebral sheen indicating the duo’s overriding sense of (need for?) control prevals. To a certain extend, this flattens their expression, though the maturity of their compositions and the organic manner in which the improvised material is placed within these parameters (to say nothing of its overall grace) makes for a substantial listening experience.
Milos Fine, Cadence Magazin/New York


Georg Ruby Village Zone

„Der Spielwitz, die kauzige Hintertriebenheit Rubys, der überzeugend die moderne Piano-Literatur zeitgenössischer Musik mit eigenem Duktus verbindet, die melodische Einfühlsamkeit und improvisatorische Flexibilität des gesamten Trios verleihen Village Zone eine Klangnote, die uns staunen lässt.“
Martin Woltersdorf, Kölner Stadtanzeiger